103 Jahre

 

Faszinierende Geschichten kann er erzählen. Aber am schönsten und am lustigsten ist seine Geschichte vom Kaiser.

Als kleiner Junge lebte er, ganz in der Nähe von Hildesheim, auf einem Dorf. Seine Lehrerin erzählte ihren Mitschülern/innen ganz stolz, dass der Kaiser ihrem Dorf einen Besuch abstatten wolle und die Schule ansehen möchte. Er wurde ausgewählt, dem Kaiser die Hand zu geben. Das war eine Aufregung. Mitten in der Woche wurde ich in den Wannentrog gesteckt und meine Haare wurden geschnitten. Dann sind wir in eisiger Kälte, mit meinen besten Sonntagssachen übers Feld zu meiner Schule gelaufen. Dort stellten wir uns alle an die Hauptstraße, natürlich ohne Mantel, wir hatten uns ja alle so fein gemacht und warteten auf den Kaiser. Man haben mir die Zähne geklappert. Plötzlich riefen alle: „Der Kaiser kommt.“ Ich stellte mich kerzengerade hin und da kam er. Auf einem wunderschönen Pferd sauste er knapp 1,5 Meter an mir vorbei und schwupp, weg war er. Naja, dachten wir. Der dreht eine Runde und kommt wieder. Nein, er kam nicht. Das ganze Dorf rührte sich nicht von der Stelle. Bis dann irgendwann jemand kam und uns erzählte, dass dem Kaiser kalt sei und er keine Lust hätte das Dorf zu besichtigen. Er ritt lieber ein Dorf weiter in die Gaststätte zum aufwärmen. Also liefen wir zitternd übers Feld nach Hause. Wärmten uns auf und erzählte noch lange von dem imposanten Kaiser.

Lachend meint Herr Niemann: „Ich gehe in die Geschichte ein, vom kleinen Jungen, der beinahe dem Kaiser mal die Hand gegeben hätte.“

Das schönste aber war. Ich hatte einen extra Badetag, nur für mich allein.

Den Kaiser, den gibt es schon lange nicht mehr. Aber unseren lieben Herrn Niemann. 

Wir wünschen Ihm noch viele schöne Jahre.